Sechs Börsengänge hat die Frankfurter Börse seit Januar 2026 gezählt, im gesamten Jahr 2025 waren es drei: So fasst es die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“ von PwC vom 28. September 2026 zusammen. Die Erlöse der Neuemissionen beliefen sich in den ersten drei Quartalen auf 806 Millionen Euro, im Gesamtjahr 2025 auf 1.186 Millionen Euro. Die DN Group AG, eine Holding aus Frankfurt, will jungen Beteiligungen nach eigener Darstellung den Zugang zu Folgefinanzierungen und perspektivisch zum Kapitalmarkt öffnen.
Ein stetiger Markt ohne Schwergewichte
PwC erfasst dafür Unternehmen mit Primärnotierung an der Frankfurter Börse. Zum Zuge kamen nach dieser Darstellung vor allem kleinere Emittenten, Börsengänge mit großem Volumen blieben die Ausnahme. In jedem der vergangenen vier Quartale ging nach PwC mindestens ein Unternehmen in Frankfurt an die Börse. In den ersten drei Quartalen 2026 lagen die IPO-Erlöse unter der Vorjahressumme, wenngleich PwC die Marke von 2025 in Reichweite sieht. Im dritten Quartal 2026 gelang zwei Unternehmen der Sprung aufs Parkett, die zusammen rund 113 Millionen Euro einwarben.
Bei den Kapitalerhöhungen zählte PwC 14 Transaktionen seit Januar (Datenstand 18. September 2026), nach 20 im gesamten Vorjahr. Das Volumen von 3.174 Millionen Euro knüpft bereits an die 3.820 Millionen Euro von 2025 an. Auf das zweite Quartal 2026 entfielen sechs Kapitalerhöhungen mit 2.860 Millionen Euro, auf das dritte fünf mit 220 Millionen Euro.
Die Pipeline bleibt laut PwC hinter den Erwartungen zurück. Eine Schwäche sieht die Analyse darin nicht, denn viele Unternehmen nutzten das stabile Umfeld, um sich auf einen Börsengang vorzubereiten. Der Kapitalmarkt zeige sich robust, und wer gut vorbereitet sei, finde weiterhin ein aufnahmebereites Umfeld, so PwC. Sobald die Rahmenbedingungen stimmten, erwarte das Beratungshaus einen spürbaren Nachholeffekt, und für das vierte Quartal 2026 rechne es mit ein bis zwei weiteren Börsengängen.
Kapital für Wachstumsunternehmen: mehr Volumen, weniger Breite
Für die Finanzierung junger Unternehmen zeigt der Deutsche Startup Monitor 2026 des Startup-Verbands ein anderes Muster. Bis Ende September 2026 flossen demnach rund 8 Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche Start-ups, mehr als die rund 7,5 Milliarden Euro des gesamten Jahres 2025. Getragen wird der Anstieg nach Angaben des Verbands von wenigen besonders großen Finanzierungsrunden, die sich auf wenige Unternehmen konzentrieren, während die Zahl der Finanzierungsrunden insgesamt etwa ein Viertel unter dem Niveau von 2021 liegt. Das Volumen ist gestiegen, die Zahl der Runden nicht.
Vom Wert zum Preis: der Ansatz der DN Group AG
Auf der Seite der Beteiligungsgesellschaften stellt sich die Frage, wie aus einer frühen Beteiligung ein Unternehmen wird, das weitere Finanzierungsrunden oder den Kapitalmarkt erreicht. Das Geschäftsmodell der DN Group AG verbindet nach Unternehmensangaben Beteiligung, Wagniskapital und Kapitalmarktberatung: Die Holding stellt Kapital bereit und begleitet die Unternehmen beim Wachstum.
Das Beratungsgeschäft, das unter anderem Finanzierungen und Kapitalmarkttransaktionen umfasst, brachte der Gesellschaft 2025 nach eigenen Angaben rund 2,5 Millionen Euro Umsatz, die Eigenkapitalquote betrug 2025 nach Unternehmensangaben etwa 84 Prozent. Ein Teil der Beteiligungen gelangt nach Unternehmensangaben über Sachkapitalerhöhungen und Aktientausch in die Holding: Bei diesen Transaktionen erhalten die früheren Eigentümer Aktien der DN Group AG, sodass weniger Bargeld abfließt.
Ole Nixdorff, CEO der DN Group AG, formuliert es in der Unternehmensmitteilung vom 7. Oktober 2026 so: „Ein Exit ist dabei kein Selbstzweck, sondern der Nachweis, dass aus einer frühen Beteiligung ein realisierbarer Unternehmenswert entstanden ist.“ Die Aussage berührt eine Unterscheidung, die für Beteiligungsgesellschaften zentral ist: Eine Bewertung bleibt eine Rechnung, ein Verkaufspreis dagegen ist ein Marktpreis. Ein Wert auf dem Papier wird erst dann zu einem realisierten Wert, wenn ein unabhängiger Dritter dafür bezahlt. Bei jungen Unternehmen ließe sich der Wert vor einer solchen Transaktion nur schätzen.
Ausblick
Offen bleibt, was Transaktionen am Kapitalmarkt künftig über den Wert früher Beteiligungen verraten, wenn große Börsengänge selten sind, sich das Kapital auf wenige Runden konzentriert und die Zahl der Finanzierungen nicht mit dem Volumen wächst. Zahlen wie die von PwC und dem Startup-Verband beschreiben die Lage des Marktes. Den Preis eines einzelnen Unternehmens lassen sie nicht erkennen, ihn bestimmt erst ein Käufer. Offen bleibt auch, wie breit sich das Kapital künftig auf Unternehmen verteilt.
