In der Schweiz gehören die Lotterien seit Jahrzehnten zu den stabilsten Finanzierungsquellen für gemeinnützige Projekte. Die beiden interkantonal tätigen Gesellschaften Swisslos und Loterie Romande legten im Jahr 2024 erneut zu und erreichten eine Gesamtsumme von 640 Millionen Schweizer Franken, die dem Gemeinwohl zugutekamen.
Der aktuelle Bericht der interkantonalen Geldspielaufsicht Gespa zeigt, dass die Reingewinne der Lotteriegesellschaften weiter stabil im Aufwärtstrend liegen. Insgesamt standen 680,5 Millionen Franken zur Verfügung, was gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg von 2,5 Prozent entspricht. Die Ausschüttungen lagen bei 627 Millionen Franken.
Weitere gut 13 Millionen Franken flossen in die Verwaltung der kantonalen Förderfonds, und rund 40 Millionen Franken gingen in die Aufstockung dieser Rücklagen. Sie sollen in Jahren mit geringeren Spielerlösen eine kontinuierliche Finanzierung sicherstellen.
Ende 2024 beliefen sich die Fondsreserven der Kantone auf 1,325 Milliarden Franken. Diese Rückstellungen dokumentieren, wie nachhaltig die Lotteriegesellschaften in der Schweiz wirtschaften und dafür sorgen, dass wichtige Projekte auch in Phasen schwächerer Erträge weitergeführt werden können.
Kultur als stärkster Empfänger der Lotterieerträge
Moderne digitale Angebote beeinflussen das Spielverhalten inzwischen ebenso wie neue Standards für Transparenz und Qualitätsbewertung. Entwicklungen in der breiteren Glücksspielbranche lassen sich unter anderem an Plattformen erkennen, die bei ESI bewertet werden und dort anhand klar definierter Kriterien eingestuft werden.
Solche Ratingmodelle zeigen, wie sich digitale Spielumgebungen verändern, und spiegeln zugleich einen Trend wider, der auch für staatlich regulierte Lotterien zunehmend relevant wird: eine wachsende Erwartungshaltung an nachvollziehbare Prozesse, Sicherheit und verantwortungsvolle Spielangebote.
Die Verteilung der Gelder folgt klar definierten Gemeinwohlkriterien, die durch die Gespa überwacht werden. Fast die Hälfte der Ausschüttungen kommt kulturellen Projekten zugute. Rund 41 Prozent der Mittel entfielen 2024 auf Kulturförderung in Bereichen wie Musik, Theater, Kleinkunst, Film, Literatur und regionale Kulturarbeit. Weitere acht Prozent flossen in den Erhalt schützenswerter Kulturgüter, darunter denkmalgeschützte Bauten, Museen oder historische Sammlungen.
Die Rolle der Lotterien für die Kultur in der Schweiz ist bedeutend. In vielen Regionen, insbesondere in kleineren Gemeinden und Kantonen, zählen die Fördergelder zu den wichtigsten Finanzierungssäulen für kulturelle Institutionen. Ohne diese Unterstützung wären zahlreiche Projekte, Veranstaltungen und Kreativinitiativen nicht realisierbar. Auch im professionellen Kulturbetrieb stabilisieren Lotterieausschüttungen die Arbeit von Orchestern, Theaterhäusern oder Filmproduktionen.
Der Kultursektor profitiert zudem von der langfristigen Planbarkeit der Ausschüttungen. Da die Lotteriegesellschaften konstante Erträge erwirtschaften und strukturierte Rücklagen bereitstellen, können Förderprojekte über Jahre hinweg geplant und umgesetzt werden.
Diese Kontinuität hebt die Schweizer Lotterien von vielen Fördersystemen anderer europäischer Länder ab, in denen kulturelle Budgets häufig stärker von politischen Zyklen oder wirtschaftlichen Schwankungen beeinflusst werden.
154 Millionen Franken für den Schweizer Sport
Neben der Kultur zählt der Sport traditionell zu den größten Empfängern der Lotterieerträge. 2024 gingen 154 Millionen Franken aus den Ausschüttungen in diesen Bereich. Damit entfiel knapp ein Viertel der gesamten Mittel auf Sportförderung. Die Gelder dienen dem Breitensport ebenso wie Maßnahmen zur Nachwuchsarbeit oder der Unterstützung von Vereinen und Verbänden.
Besonders relevant ist der Beitrag zur Stiftung Sportförderung Schweiz, die 75 Millionen Franken direkt von den Lotteriegesellschaften erhielt. Diese Stiftung ist zentral für die Finanzierung kantonsübergreifender Projekte im Kinder- und Jugendsport, im Schulbereich, bei Sportinfrastrukturen und bei nationalen Förderprogrammen.
Die kantonalen Unterschiede bei den Ausschüttungen fallen erneut deutlich aus. Während der bevölkerungsreiche Kanton Zürich mit 98,1 Millionen Franken an der Spitze liegt, beträgt der Beitrag des Kantons Appenzell Innerrhoden nur 1,2 Millionen Franken. Die Mittelvergabe erfolgt proportional zu den erwirtschafteten Lotterieerträgen sowie zu den jeweiligen kantonalen Förderstrukturen.
Insgesamt wurden 2024 29.431 Ausschüttungen vorgenommen, knapp zweitausend mehr als im Vorjahr. Diese Entwicklung zeigt, dass die Förderlandschaft stetig wächst und immer mehr Projekte Zugang zu den Geldern erhalten. Die Vielzahl der Empfänger, von kleinen Sportvereinen über regionale Kulturinitiativen bis zu nationalen Stiftungen, verdeutlicht die Breite des gesellschaftlichen Nutzens.
Sportpolitisch hat die Lotterieunterstützung weitreichende Bedeutung. In vielen Gemeinden ermöglichen die Zuschüsse den Erhalt von Hallen, Plätzen und Trainingsanlagen. Auch der behindertengerechte Ausbau von Sportstätten wird teils durch Lotteriemittel mitfinanziert, ebenso Programme für Inklusion und Gesundheitsförderung.
Transparenz, Kontrolle und föderale Verantwortung
Die Gespa legt in ihrem Bericht großen Wert auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Die Kantone müssen jede Ausschüttung begründen und belegen, wie die Mittel verwendet werden. Fehlzuweisungen oder Unregelmäßigkeiten werden geprüft. Im Berichtsjahr 2024 meldete die Behörde keine auffälligen Diskrepanzen, was auf eine weitgehend einheitliche und gesetzeskonforme Vergabe hinweist.
Die föderale Struktur ist dabei ein wesentlicher Faktor. Jeder Kanton verfügt über eigene Fonds, die unabhängig verwaltet werden. Dadurch können regionale Schwerpunkte gesetzt werden, etwa im alpinen Raum mit Fokus auf Sportinfrastrukturen oder in urbanen Zentren mit verstärkter Kulturförderung. Gleichzeitig sorgt die zentrale Aufsicht durch die Gespa dafür, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten und die Reingewinne ausschließlich für gemeinnützige Zwecke verwendet werden.
Die Regulierung der Lotterien in der Schweiz gilt international als besonders klar und stabil. Die gesetzlichen Grundlagen stellen sicher, dass Gewinne nicht in privatwirtschaftliche Strukturen abfließen, sondern der Bevölkerung zugutekommen. Die Einnahmen aus Swisslos und Loterie Romande sind zweckgebunden und dürfen ausschließlich an gemeinnützige Empfänger fließen.
Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Zukunftsprojekte
Die Bereitstellung von 640 Millionen Franken für gemeinnützige Zwecke ist nicht nur eine finanzielle Leistung, sondern ein struktureller Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Kulturelle Teilhabe, Sportförderung und der Erhalt regionaler Identität zählen zu den Bereichen, die besonders von den Ausschüttungen profitieren.
Für viele Vereine und Organisationen sind die Lotteriemittel entscheidend, um Angebote für Kinder, Jugendliche, Senioren oder Menschen mit Behinderungen aufrechtzuerhalten. Projekte, die ohne kontinuierliche Unterstützung nicht nachhaltig umgesetzt werden könnten, erhalten durch die Lotterieausschüttungen langfristige Stabilität.
Auch Innovationen lassen sich durch die Fördermittel vorantreiben. In der Kultur entstehen neue Festivals, digitale Ausstellungsformate oder kreative Bildungsprogramme. Im Sport werden moderne Trainingsmethoden, Nachwuchsleistungszentren und regionale Infrastrukturprojekte gefördert. Der gesellschaftliche Nutzen zeigt sich dabei nicht nur in der Gegenwart, sondern wirkt nachhaltig.
Die hohen Reserven der Förderfonds, die sich auf über 1,3 Milliarden Franken belaufen, garantieren Zukunftsfähigkeit. Sie stellen sicher, dass auch bei möglichen Veränderungen im Spielverhalten oder wirtschaftlichen Einflüssen die Gemeinwohlfinanzierung weiterhin gewährleistet bleibt.
